Strandbad

Der Umbau soll reduziert werden auf den Bereich der einsturzgefährdeten Mauer vor dem Kiosk. Hafen, Treppen und Mole sollen erhalten bleiben, was zu einer Kosteneinsparung von ca. 830.000 € führen würde. Die Maßnahmen zum barrierefreien Zugang sollen wie geplant umgesetzt werden.

Hier unser Antrag vom 27.08.2024

Die Verwaltung wird beauftragt, zu ermitteln wie hoch die Kosten und Entschädigungszahlung wäre, wenn der Umfang der Arbeiten auf die notwendigen Sanierungs- bzw. Renaturie-rungsmaßnahmen an der einsturzgefährdeten Mauer westlich des Hafens und die Maßnahmen zum barrierefreien Zugang reduziert werden würde.

 

Wenn diese Informationen vorliegen, möge der Gemeinderat erneut darüber abstimmen, ob der Umbau wie geplant umgesetzt werden soll oder nur die notwendigen Arbeiten und der barrierefreie Zugang umgesetzt werden.

Begründung:

Die folgenden drei neuen Entwicklungen machen die oben genannte Prüfung erforderlich:

  1. Weil das Strandbad in seinem aktuellen Zustand im August 2024 zum schönsten Strandbad in ganz Deutschland ausgezeichnet wurde (TUI-Ranking).
  2. Weil die Strandbad-Bürgerinitiative daraufhin eine Online-Petition gestartet hat, aus der, vor allem durch die Kommentare, deutlich wird, dass ein nicht unerheblicher Teil der Strandbadgäste gegen den geplanten Umbau ist.
  3. Weil der Wasserstand des Bodensees letztes und dieses Jahr ungewöhnlich hoch war und mit der Klimaveränderung die Wahrscheinlichkeit von Starkregenereignissen steigt und damit die Schwankung des Pegels stärker sein wird als bisher und bei hohen Wasserständen große Teile der Liegewiese überflutet wären.

Eine Reduktion der Umbauarbeiten auf die notwendigen Sanierungs- bzw. Renaturierungs-maßnahmen an der einsturzgefährdeten Mauer westlich des Hafens würde gemäß unseren Berechnungen eine reduzierte Uferrenaturierung auf 38,8 % der Fläche bedeuten (siehe „An-lage-1_Plan-mit-Flächenanteil.pdf“). Gemäß unseren Berechnungen würde diese Reduktion 1.072.680,- € kosten (siehe „Anlage-2_Kosten-reduzierte-Uferrenaturierung“).

Die zu erwartende Einsparung beträgt somit 827.320,00 €.


Weiterhin sprechen folgende Punkte gegen den geplanten Umbau:

  • Die Aufenthaltsqualität im Strandbad wird sich vermindern, da die vielfältigen Möglich-keiten an Seezugängen nicht mehr vorhanden sein werden. Dies betrifft vor allem den Bereich der Treppen zwischen Steg und Hafen. Mit den beidseitigen Handläufen dienen die Treppen vor allem älteren, aber auch eingeschränkten Personen, um sicher ins Wasser zu gelangen. Je nach Wasserstand ist es hier oft der Fall, dass man gleich in tieferem Wasser ist, wo man direkt losschwimmen kann, ohne noch weit im Wasser laufen zu müssen. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Steg ist hier, dass man trotz tiefem Wasser meist noch stehen kann, was vor allem für Schwimmanfänger von Vorteil ist (siehe „Anlage-3_Fotos-Strandbad_August2024“).

  • Das besondere, nostalgische Flair des Strandbads geht durch den Abbruch der Treppen und Mauern verloren. Drei Bereiche sollen hier hervorgehoben werden:
    • Sowohl die halbrund angelegten Treppen um den Hafen herum als auch die Treppen rechts vom Steg werden gerne von Badegästen genutzt, um dort zu sitzen und zu verweilen.
    • Die Mauer der kleinen Halbinsel (Mole) östlich vom Steg wird ebenfalls gerne zum Sitzen und Verweilen genutzt. Das besondere Flair wird dort nicht mehr so vor-handen sein. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass die alte Eiche im Mittelpunkt der Insel Schaden nimmt, wenn dort schwere Baufahrzeuge den Bereich vor der Mauer verändern.
    • Das Panorama, das man vom Restaurant aus mit Blick auf die halbrund angelegten Treppen hat, wird es nicht mehr geben.

  • Die beliebte Liegewiese wird verkleinert: laut der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat vom 11.01.2023 (Drucksache-Nr. 2023 / V 00011) „verfügt das Strandbad bisher über rund 10.000 m² Liegewiese, nach der Umgestaltung über rund 10.500 m², wobei davon sich rund 2.400 m² auf leicht geneigten, neuen Uferböschungen befinden.“ Da diese 2.400 m² nicht mehr wie vorher als Liegewiese nutzbar sein werden, bleibt nur 8.100 m² Liegewiese übrig. Bei Hochwasser werden zudem große Teile des abgeflachten Geländes überflutet sein.

  • Der Abbruch des Hafens und der vorhandenen Treppenanlagen und Ersatz durch neue Sitzstufen ist unnötig, da diese nicht marode sind.

  • Der Umbau verursacht einen hohen CO2-Ausstoß, der nicht mit den Klimazielen der Stadt vereinbar ist. In dem Wasserrechtsantrag vom Planungsbüro „365° freiraum + um-welt“ ist eine Massenbilanz für die Baumaßnahme enthalten. Aus den Massenangaben ergibt sich folgendes:
    • 1.400 LKW-An- und Abfahrten mit einer Gesamtfahrstrecke von ca. 23.000 km
    • 8.078 l Dieselverbrauch (Baggerarbeiten und Transport innerhalb Strandbades nicht berücksichtigt)
    • 21,7 t CO2 für LKW-Fahrten
    • 23,2 t CO2 Fundamente Sitzstufen
    • Somit 44,9 t CO2 Emission nur für Materialtransport und Betonfundamente

  • Das Strandbad ist nach dem Umbau nicht ökologischer als vorher. In der Flachwasser-zone wird sich wegen den täglich bis zu 4.000 Besuchende (jährlich bis zu 120.000) keine biologisch wertvolle Flachwasserzone bilden können.

  • Hauptkritikpunkt des BUND: Tonnenweise Kiesaufschüttungen führen zu langfristigen Schäden der benachbarten, geschützten Biotope. Geplant ist, dass 3.550 t Wandkies und Wacken verbaut werden. Die Problematik der Kiesaufschüttungen kann auf der Webseite des BUND Friedrichshafen nachgelesen werden.

  • Der Umbau verursacht regelmäßige Folgekosten und -arbeiten. Ausgespülter Kies muss aus den Buhnen und Fischreisern abtransportiert werden.

 

Mit freundlichen Grüßen


Gez. Miriam Montano
Netzwerk für Friedrichshafen

 

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Sitzungsvorlage der Verwaltung für die Gemeinderatssitzung am 30.09.2024
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Fraktionserklärung von Miriam Montano für die Gemeinderatssitzung am 30.09.2024
Fraktionserklärung_GR-Sitzung-30.09.2024
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Unser Antrag wurde in der Gemeinderatssitzung am 30.09.2024 mit 3 Gegenstimmen abgelehnt.